22. Juni 2017 - Runder Tisch zum SDG 4

©Schuster/PNSD

Am Donnerstag, den 22. Juni 2017, diskutierten im Rahmen des Parlamentarischen NordSüdDialogs (PNSD) Abgeordnete des österreichischen Parlaments mit Expert_innen und Vertreter_innen der Zivilgesellschaft über den Status quo in Bezug auf das Nachhaltige Entwicklungsziel 4 (SDG 4) in Österreich. Die SDGs wurden 2015 von der UN-Generalversammlung beschlossen und gelten seit 2016 für alle Staaten, wie die Moderatorin Margarita Langthaler von der ÖSFE in ihren Eingangsworten erläuterte. Jutta Kepplinger vom PNSD betonte mehrmals die Notwendigkeit des Dialogs zwischen Abgeordneten und Expert_innen aus Wissenschaft, NGOs und Ministerien, sowie die Einbeziehung möglichst vieler Abgeordneter aus allen Ausschüssen. Letzteres ist auch im Hinblick auf Policy Coherence for Sustainable Development von großer Wichtigkeit und betrifft nicht nur den entwicklungspolitischen Unterausschuss. Der Vorsitzende des Familienausschuss und der Joint Parliamentary Peer Group des PNSD, Abg.z.NR Georg Strasser, wies darauf hin, dass in Bezug auf Bildung sowohl die großen Zusammenhänge als auch die Mikrosysteme betrachtet und analysiert werden sollen.

Im ersten inhaltlichen Input des Runden Tischs präsentierte Dr. Gottfried Biewer (Leiter der Bildungswissenschaften der Universität Wien) eine detaillierte Lückenanalyse der österreichischen Situation für jedes Unterziel des SDG 4. In einigen Bereichen erfüllt Österreich die Zielsetzungen bereits in vollem Umfang, etwa bei der Unterrichtspflicht für Kinder im Alter von 6 bis 14/15 Jahren. Defizite gibt es aber z.B. durch fehlende Strukturen für den Zugang zu Schulbildung und/oder Ausbildung für nicht schulpflichtige Jugendliche mit Fluchthintergrund.

Dr. Andrea Schmölzer, Leiterin der Abteilung für EU-Koordination und multilaterale Angelegenheiten im Bundesministerium für Bildung, erläuterte im Anschluss den Ansatz der österreichischen Bundesregierung, nämlich die Integration der SDGs in relevante existierende Strategien und Programme (Mainstreaming), die durch eine Interministerielle Arbeitsgruppe koordiniert wird. Eine erste Bestandsaufnahme in den österreichischen Ministerien wurde im Herbst 2016 veröffentlicht. Die vorrangigen Wirkungsziele des BMB sind die Erhöhung des Bildungsniveaus bei Schüler_innen und Zielgruppen in der Erwachsenenbildung, sowie die Verbesserung der Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit im Bildungswesen.

Dass die Gesellschaft einen Transformationsprozess durchlaufen muss, um soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit zu erreichen, davon zeigt sich Mag. Gabriele Eschig, Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO Kommission, überzeugt. Bildung spiele in diesem Prozess eine zentrale Rolle. Das Ziel von Global Citizenship Education ist die Fähigkeit zur politischen Teilhabe und der Analyse verschiedener Kontexte in der globalisierten Welt. Die derzeitige Ausrichtung der politischen Bildung trennt Lokales, Nationales und Internationales, was von der Wirklichkeit längst überholt wurde.

Die Diskussion mit anwesenden Vertreter_innen der Ministerien, NGOs und Zivilgesellschaft warf zahlreiche Aspekte auf. Es wurden Standpunkte für und wider die Abschaffung der Sonderschulen in Österreich vertreten, und Forderungen nach einer umfassenden Global Citizenship Education in den Schulen erhoben. Inwieweit die beschlossene Bildungsreform die aufgezeigten Lücken schließen kann, ist fraglich, dies hängt von der Umsetzung ab, die sicherlich in manchen Bereichen viel begleitende Bewusstseinsbildung und Informationsarbeit benötigt. Gerade in Bezug auf die Umsetzung der SDGs ist auch die außerschulische (politische) Bildungsarbeit zahlreicher NGOs wichtig, und dafür braucht es Ressourcen. Auf politischer Ebene wäre die Aufnahme der SDGs in das Regierungsprogramm ein deutliches Signal, auch eine Berichtspflicht der Regierung an das Parlament – welche in Deutschland bereits existiert – würde eine kohärente Herangehensweise und Implementierung fördern. Generell dürfen die SDGs nicht isoliert voneinander betrachtet werden, denn alle Ziele hängen zusammen, weshalb eine Gesamtstrategie notwendig wäre.

 

 

Zusammenfassung der zentralen Diskussionspunkte und Forderungen (durch Margarita Langthaler):

©Schuster/PNSD
  • SDGs sind bei der Bevölkerung (noch) nicht angekommen, man muss hier mehr informieren, z.B. durch Medien, Öffentlichkeitsarbeit; das Parlament kann hier beitragen und pushen
  • Inklusion: es gibt unterschiedliche Projektionen, es ist wichtig, dass Informations- und Bewusstseinsbildung im Sinne der SDGs und inklusiver Bildung gemacht werden
  • Herausforderung Jugendliche mit Fluchthintergrund: SDG 4 propagiert 12 Jahre Bildung für alle und das kann auch in Ö noch verbessert werden
  • Unterschiedliche Situation in Wien und den Bundesländern: ebenfalls Bewusstseinsbildung nötig, man muss die Ängste der Bevölkerung ernst nehmen
  • Bildungsreform: reicht diese aus um die SDGs zu erfüllen – nein, es ist erster Schritt; die Lücken zu sehen und zu schließen bleibt eine Herausforderung
  • Schulische und außerschulische Bildungsarbeit: ewp Bildungsorganisationen leisten hier wichtige Arbeit, und dafür bedarf es auch einer Finanzierung
  • SDGs müssen in politischer Prioritätenliste einige Stufen höher angesiedelt werden
  • Lückenanalyse soll für alle SDGs stattfinden, diese hat für das SDG 4 bei diesem Runden Tisch z.T. stattgefunden
  • SDGs sollen über den jeweiligen Sektor hinausgedacht werden, es sollen die Wechselwirkungen bedacht werden; dafür braucht es einen gesamtstaatlichen Ansatz
  • Auch in Österreich soll man dem deutschen Beispiel folgen. Es sollte eine jährliche Berichtspflicht der Regierung über SDG Fortschritt an das Parlament geben.

 

>>> PPP Prof. Gottfried Biewer

>>> PPP Dr. Andrea Schmölzer

>>> PDF Mag. Gabriele Eschig

 

 

30. März 2017 - FAIRTRADE Ausstellung im Parlament

©PD/Johannes Zinner

Fairer Handel eröffnet Bildungschancen im Süden und unterstützt die Globale Bildung im Norden

Die diesjährige FAIRTRADE Informationsausstellung im Parlament stand ganz unter dem Zeichen von Bildung. Weltweit arbeiten Millionen von Kindern und Jugendlichen beispielsweise in Minen und Steinbrüchen, in der Textilindustrie, auf Feldern und Kaffee- oder Kakaoplantagen. Die große Mehrheit von ihnen besitzt keine grundlegende Schulbildung. Armut ist eine der Hauptursachen für Kinderarbeit, denn mit ihrer Hilfe tragen die Kinder und Jugendlichen zum täglichen Überleben der ganzen Familie bei. Ohne entsprechende Bildung haben sie wenige Chancen, Wissen und Fähigkeiten für ihr Leben zu erwerben. Der Schulbesuch und eine gute Ausbildung sind zentral für eine menschenwürdige Zukunft der Kinder und Jugendlichen.

Parlamentsdirektor Harald Dossi eröffnete die Ausstellung mit dem Hinweis darauf, dass der Gesetzgeber eines jeden Landes die Verpflichtung und den Auftrag hat, einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. In diesem Sinne ist die Unterstützung von FAIRTRADE und deren Initiativen für Bildung im Süden und in Österreich besonders wertvoll. Der Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich, Hartwig Kirner, beschrieb die Mühen, die tausende von Kindern und Jugendlichen täglich auf sich nehmen, um in den Ländern des globalen Südens in die Schule gehen zu können. Dies unterstreicht, wie wichtig Bildung für die Menschen ist. Der Faire Handel betrachtet Kinderarbeit nicht als individuelles Problem der betroffenen Familien, sondern als Folge eines ungerechten Welthandelssystems. Faire Handelsstrukturen zu fördern ist entscheidend für den Schutz der Kinder und zur Reduzierung von Armut. Wichtig ist aber auch die Verbreitung von Informationen über die globalen Zusammenhänge von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten unseres Lebens, auch und vor allem in den Ländern des globalen Nordens. Dieses Wissen wird mittels des Konzepts des Globalen Lernens vermittelt und fördert verantwortungsvolles Handeln im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. FAIRTRADE engagiert sich in zahlreichen Schulen in Österreich sowie in der Lehrlingsausbildung großer Handelskonzerne, beispielsweise in der Ausbildung zur FAIRTRADE-Botschafter_in, die von Andrea Matanovic, einem Lehrling der SPAR Akademie, beschrieben wurde. So sollen Kindern und Jugendlichen globales Wissen und Zusammenhänge zu vermittelt werden, ganz im Sinne des SDG 4.

>>> Fotogallerie

 

 

13. Dezember 2016 - Runder Tisch zu SDG 4 Jugend und Bildung

©Pranger/PNSD

Im September 2015 verabschiedete die UNO Generalversammlung die sogenannten Nachhaltigen Entwicklungsziele - Sustainable Development Goals (SDGs). Bildung hat als viertes von siebzehn Zielen Eingang in die SDGs gefunden. Zudem findet Bildung in Unterzielen anderer Bereiche Erwähnung. Dies unterstreicht ihre wichtige Rolle für eine nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und zur Erreichung aller SDGs. Wobei es wichtig ist zu analysieren, was genau welche Art von Bildung wann bewirkt. Unter welchen Voraussetzungen reduziert sie Armut? Unter welchen Voraussetzungen stärkt sie Demokratie und Partizipation?

Das Ziel 4 sieht inklusive, gerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle Menschen vor und ist in vielen Ländern der Welt, auch in Österreich, noch viel zu wenig umgesetzt. Dabei sind es insbesondere Bildung und Ausbildung, die es (jungen) Menschen ermöglichen, dem Teufelskreis der Armut zu entkommen. Jugendliche müssen durch eine entsprechende (Aus)Bildung in die Lage versetzt werden, ein produktives und menschenwürdiges Leben führen zu können. Die SDGs verweisen wiederholt auf das Konzept der menschenwürdigen Arbeit (decent work), und in diesem Zusammenhang muss (Aus)Bildung mehr sein und bedeuten, als die bloße Modellierung von Humankapital für die globalisierte Wirtschaft.

Die Referent_innen des Runden Tischs, Margarita Langthaler von der Österreichischen Forschungsstifung für Internationale Entwicklung (ÖFSE), Helmuth Hartmeyer vom Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien, und Téclaire Ngo Tam von Global Education bei Südwind, analysierten in ihren Inputs das SDG 4 und zeigten Herausforderungen und Möglichkeiten auf internationaler und nationaler Ebene auf. Beispielsweise wird die lineare ökonomische Wachstumsdoktrin auch in Bezug auf Bildung angewandt - wichtig für eine nachhaltige Entwicklung sind jedoch Fähigkeiten, die es den jungen Menschen ermöglichen, die globale Ordnung gerade in Bezug auf gesellschaftliche, soziale und ökologische Aspekte kritisch zu hinterfragen.

In der Diskussion mit den anwesenden Abgeordneten ging es um Fragen der Vermittlung von globaler Bildung außerhalb eines elitären Kreises, aber auch wie ein internationaler Erfahrungsaustausch zum Thema "Welche Art von Bildung wollen wir für unsere Kinder und Jugendlichen und zu welchem Zweck" in einem Projekt wie dem Parlamentarischen NordSüdDialog gelingen kann. Letztendlich spielen nationale Entscheidungsträger_innen eine entscheidende Rolle dabei, bindende Gesetze und Vorgaben zu entwickeln.

>>> PPP Margarita Langthaler

>>> Handout Helmuth Hartmeyer

>>> PPP Teclaire Ngo Tam

 

 

 

© Parlamentarischer NordSüdDialog 2014

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