SDG 4 - Hochwertige Bildung für alle gewährleisten

©Marlene Göntgen

Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs), die unterschiedliche ökologische, ökonomische und soziale Lebensbereiche betreffen, skizzieren eine neue und ehrgeizige weltweite Agenda. Von zentraler Bedeutung - um echte Fortschritte in diesen Bereichen zu erzielen - ist, dass alle Kinder und Jugendlichen weltweit eine hochwertige Bildung erhalten. Bildung spielt in den SDGs eine wichtige Rolle.

SDG 4: Für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen sicherstellen.

Im Rahmen des Parlamentarischen NordSüdDialogs ist das SDG 4 ein Fokus der Zusammenarbeit. Es wurde von den beiden Parlamenten als Schwerpunktthema gewählt und wird von der Joint Parliamentary Peer Group sowohl in den jeweiligen Ländern als auch im Erfahrungsaustausch behandelt.

Das SDG 4 stellt eine politische Forderung dar, denn Investition in die Bildung ist ein wesentliche Faktor zur Entwicklung eines Landes und seiner Menschen. Bildung stattet die Lernenden aller Altersgruppen mit den notwendigen Fähigkeiten und Werten aus, um verantwortliche Weltbürger_innen zu sein. Die eigene Identifikation des/der Einzelnen als Weltbürger_in ist für die Erreichung aller SDGs essentiell.

SDG 4.7 - Global Citizenship Education

Weltweit zusammenhängende Herausforderungen wie der Klimawandel oder Finanzkrisen sowie die Konflikthaftigkeit internationaler Beziehungen zeigen die dringende Notwendigkeit auf, Menschen auch in Europa für globale Fragen und die Interdependenz zwischen der EU und den so genannten Entwicklungsländern zu sensibilisieren sowie über Verantwortlichkeiten in einer globalisierten Welt zu diskutieren. Bildungs- und Erziehungsarbeit muss in diesem Kontext Menschen befähigen, sich kritisch mit weltweiten Entwicklungen auseinanderzusetzen, Komplexität und Vielfalt der Perspektiven zu verstehen, darüber nachzudenken, was gerecht und ungerecht ist und wie sich Phänomene der Globalisierung auf ihren Alltag beziehen bzw. welcher Spielraum sich dadurch für ihr eigenes Handeln ergibt.

Global Citizenship Education ist ein international anerkanntes pädagogisches Forschungs- und Praxisfeld, das durch die Aufnhame als Unterziel 4.7. in die Sustainable Development Goals der UNO erhöhte Aufmerksamkeit erfährt.

Ziel 4.7: Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung.

Global Citizenship ist ein kontroversiell diskutierter Begriff, mit dem jedoch wichtige Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit verbunden werden können:

  • Verweis auf die Mitgliedschaft in einer (politischen) Gemeinschaft, die über den Nationalstaat hinaus geht und die Rolle von Individuen als Weltbürger_innen anspricht;
  • Augenmerk auf verbundene Pflichten und Rechte aller Menschen als handelnde Akteur_innen, beispielsweise geteilte ökologische Verantwortung oder gesellschaftliche Teilhabe über demokratische Mitbestimmung.

In diesem Kontext fokussiert Global Citizenship Education sowohl auf die Kompetenzen von "Global Citizens" als kritische Weltbürger_innen, als auch auf die strukturellen Rahmenbedingungen, die für die Umsetzung des Konzepts gegeben sein müssen.

Global Citizenship Education in Österreich

©Majercik

Global Citizenship Education verbindet politische Bildung, Globales Lernen, Friedenspädagogik, Interkulturelle Bildung und Bildung für Nachhaltige Entwicklung und gibt diesen pädagogischen Ansätzen mit dem Fokus auf Global Citizenship eine neue Richtung.

In Österreich ist die Abteilung VI/1 "EU Koordination und multilaterale Angelegenheiten" des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung für Global Citizenship Education zuständig. Diese setzt auf eine überinstitutionelle Kooperation mit Akteur_innen aus verschiedenen Bereichen. Derzeit wird über die Erstellung eines Orientierungsrahmens für Transformative Bildung diskutiert, der bereits vorhandene Potentiale für transformative Bildung im österreichischen Bildungssystem aufzeigen soll.

Das Global Education Network Europe (GENE) vernetzt Außen- und Bildungsministerien und agiert als gemeinsame Interessensvertretung für Globales Lernen, Global Citizenship Education und entwicklungspolitische Bildung in Europa.

Das Portal für Globales Lernen in Österreich bietet umfangreiche Informationen zu GCE in Österreich und auf internationaler Ebene. Die Strategiegruppe Globales Lernen existiert seit dem Jahr 2003 und fungiert als transdisziplinäres Gremium zur Weiterentwicklung und Stärkung von Globalem Lernen in Österreich.

Die UNESCO hat Global Citizenship Education im Jahr 2013 zu einer ihrer pädagogischen Leitlinien ernannt. Die österreichische UNESCO-Kommission unterstützt die Umsetzung der Agenda 2030 in Österreich, vor allem auch im Bereich Bildung, u.a. durch den Fachbeirat „Transformative Bildung/Global Citizenship Education“.

Der Universitätslehrgang "Global Citizenship Education" ist ein 6-semestriges Masterstudium an der Alpen Adria Universität Klagenfurt. Mit dem Universitätslehrgang bildet sich ein Netzwerk an Absolvent_innen, die in ihren Berufsfeldern Global Citizenship Education anwenden und verbreiten. 

Zahlreiche NGOs arbeiten im Bereich Globale Bildung, Global Citizenship Education, beispielsweise BAOBAB (Bibliothek zu Globalem Lernen), SÜDWIND oder KommEnt, die ÖFSE (Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung).   

© Parlamentarischer NordSüdDialog 2014

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